FAQ der Veränderungsfähigkeit

Das, was man heute gerne als Agilität bezeichnet, war schon immer wichtig, denn es heißt ja nichts anderes als die Fähigkeit, sich und das eigene Umfeld schnell und strukturiert zu verändern, falls dies nötig ist.

In den vergangenen Jahren hat sich die Geschwindigkeit, mit der sich ein Umfeld verändert, deutlich erhöht. Das hängt damit zusammen, dass wir mittlerweile in einem Datenzeitalter leben. Dies ist eine Epoche, in der Daten ein Wirtschftsgut sind sich weltweit mit nahezu Lichtgeschwindigkeit verbreiten können. Damit haben Kunden jederzeit ein Übermaß an Informationen und vor allem auch Fehlinformationen. Die ständige Verfügbarkeit und der Informationsüberfluss führt unweigerlich zu einem immer unvorhersehbareren Verhalten von Kundengruppen, da es mehr Interaktionen zwischen verfügbaren Informationen und der eigenen Lebenswahrnehmung der Realität gibt.

Agilie Unternehmen zeichnet aus, dass sie

  • stets die Kundenwerte (nicht die Lösungen!) der Gegenwart und auch der Zukunft verstehen,
  • den Status Quo im Kontext der Kundenwerte ständig hinterfragen,
  • Fehler und Abweichungen als Lernpotential sehen und nicht als Makel,
  • alle Menschen bei der Veränderung mitnehmen, indem diese die Möglichkeit haben, ihr Umfeld zu gestalten.

Kurzum: Agile Unternehmen sind diejenigen, die von Unternehmern geführt werden und nicht von Managern.

Innovation gelingt nur, wenn man Kreativität zulässt und außerhalb der Komfortzonen denkt. Das Verlassen des Gewohnten fällt vielen Menschen schwer, deshalb setzt hier gute Führung an. Daher werden auch in Zukunft technische und methodische Herangehensweisen nicht zielführend sein. Sie können unterstützen, aber letztendlich kommt es auf die menschliche Fähigkeit an Neues entstehen zu lassen.

Unternehmenskrisen entstehen durch kurzfristiges Denken, gepaart mit Ignoranz und Überheblichkeit. Oft wird in Unternehmen ein einseitiger Fokus auf Ergebnisse gelegt anstatt sich auf Zielzustände, die vom Kunden abgeleitet werden, zu konzentrieren. Krisen werden schon deutlich früher sichtbar bevor diese reale Auswirkungen haben. Diese Krisen werden auch als strategische Krisen bezeichnet.

Kurz gesagt, viele Organisationen beschäftigen sich mehr mit sich selbst als mit ihren Kunden. In diesem Zusammenhang ist auch zu viel Erfolg gefährlich, denn er macht blind für die notwendigen Veränderungen.

Weil Veränderung wider der menschlichen Natur ist. Wir sind seit Tausenden von Jahren dadurch geprägt, alles möglichst gleich zu machen, da der Energieverbrauch für Neues hoch ist und das Risiko des Scheiterns den Bestand der Gruppe gefährden könnte. Sicherlich gibt es Menschen, die sich mit Neuem leichter tun als andere, aber grundsätzlich fühlen wir uns in neuen Situationen nicht ganz wohl. Diese Eigenschaft ist evolutionär in uns verankert.

Und auch wenn sich die technischen Möglichkeiten heute immer weiter entwickeln, so bleiben diese Prägungen weiter bestehen. Daher kommt mit zunehmender Technisierung der menschlichen Komponente, also der Fähigkeit Menschen zu führen und bei Veränderungen zu unterstützen und zu begleiten, immer mehr Bedeutung zu. Nicht Industrie 4.0 sondern Führung 1.0 ist hier gefragt.

Berater verkaufen Wissen gegen Geld und erzeugen damit Abhängigkeiten anstatt das zu tun, was sie tun sollten. Die eigentliche Aufgabe wäre es die Kunden dabei zu unterstützen, dass man als externe Instanz überflüssig wird. Die meisten Berater greifen in Unternehmen Wissen ab und verkaufen es woanders als ihre Leistung, unabhängig von der Frage, ob diese Lösungen den jeweiligen Unternehmen wirklich etwas bringen. Gerade große Beratungsunternehmen funktionieren nicht durch überzeugende Kompetenz, sondern durch gutes Marketing und ihre alten Seilschaften und Netzwerke.

Unterstützer und Querdenker erklären den Unternehmen nie, wie etwas “richtig” geht, sondern stellen Fragen, bringen neue Impulse ein und unterstützen das Unternehmen dabei, aus eigener Kraft besser zu werden. Unterstützer und Querdenker erzeugen nie Abhängigkeiten, sondern beflügeln die eigenen Kräfte der Menschen in einer Organisation zur kontinuierlichen Verbesserung. Unterstützer und Querdenker sind weniger Methodiker und Techniker, sondern viel mehr Sozialarbeiter und Mentoren.

Der Unterschied zwischen Beratung und Unterstützung wird im digitalen Zeitalter noch deutlicher.

Durch die technischen Möglichkeiten werden sich weitere Felder für die Beratungsbranche auftun, um beispielsweise neue Technologien den Unternehmen näher zu bringen und spezielle Expertise bereitzustellen. Hier sind Spezialisten aus diversen Disziplinen gefragt.

Neben diesen technischen Änderungen werden aber nach wie vor Unterstützer benötigt, die mit den Führungskräften und MitarbeiterInnen den richtigen Weg für das jeweilige Unternehmen entwickeln. Denn bei all den neuen technischen Möglichkeiten kommt es nach wie vor auf die Unternehmenskultur an. Wie geht man auf Kundenwünsche ein? Wie können sich die Mitarbeiter beteiligen, werden sie überhaupt eingebunden? Welche innere Haltung haben die Führungskräfte? Zukünftig werden die Führungskompetenzen noch wichtiger und die kann man nicht mit einem Programm implementieren.

Wie vieles im leben, kann eine Sache im Guten wie auch im Schlechten verwendet werden. Von der Digitalisierung gehen große Chancen aus, wenn man diese im Sinne einer besseren Gesellschaft nutzt. So können medizinische Versorgung z.B. in ländlichen Regionen oder auch Mobilität unabhängig vom Besitz einer Ressource (Auto) noch besser ermöglicht werden. Die Steigerung von Produktivität kann Menschen mehr Lebenszeit bescheren.

Nutzt man die Digitalisierung jedoch für das, was viele auch die letzten Jahrzehnte kontinuierlich voran getrieben haben, nämlich das Steigern von Effizienz und Produktivität primär zum Steigern des eigenen Gewinns ohne dass die Gesellschaft davon partizipiert, ist von immer größeren gesellschaftlichen Spannungen auszugehen, da sich die Ungleichheit noch weiter verstärken wird. Dazu kommen mögliche Gefahren von KI, die, wenn sie außer Kontrolle gerät, zum Gegner des eigenen Systems werden kann.

Wird Digitalisierung von Unternehmern zweckmäßig eingesetzt, ist sie eine große Chance. Wird sie hingegen von Managern zum Selbstzweck eingesetzt, ist sie eine große Gefahr.

FQA