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Energiesparen – wie startet man am besten

Energiesparen - wie startet man am besten in Unternehmen?

Derzeit kursieren viele Tipps zum richtigen Heizen und Lüften, die alle wichtig sind. Doch besonders auf Unternehmensebene ist das konkrete Wissen um den Energie- und Ressourcenverbrauch essentiell um Energiesparen wirksam umzusetzen. 

11 % weniger Verbrauch bei Privathaushalten

Vor kurzem wurde von der österreichischen Umweltministerin unter dem knackigen Slogan „Mission 11“ eine Kampagne vorgestellt, die den Menschen in österreichischen Haushalten helfen soll 11 % des Energieverbrauchs zu senken. Der Ansatz ist gut gemeint, über möglichst einfache Verhaltensänderungen bereits rasche Veränderungen zu erzielen. Zu den Maßnahmen zählen etwa das Entlüften von Heizkörpern, den Deckel auf Töpfe beim Kochen zu geben oder langsamer zu fahren. Eigentlich sollte diese Maßnahmen selbstverständlich sein, anscheinend sind sie das für viele nicht.

Ein Artikel auf standard.at merkt richtigerweise an, dass die österreichischen Haushalte nur 26 % des Stroms verbrauchen und mit den Maßnahmen somit der Strombedarf „nur“ um 3 % gesenkt werden können. Gut, die 3 % sind 1.760 GWh oder 8 Jahre lang die Stromerzeugung des Wasserkraftwerks am Achensee, also nicht nichts, denn jeder Beitrag zum Energiesparen zählt.

Energiesparen in Unternehmen

Aber es zeigt sich daran, dass der Fokus auf die großen Verbraucher leider nicht so ausgeprägt ist. Beispielsweise ist Österreich noch immer säumig, eine Nachfolgeregelung für das im Jahr 2020 (!) ausgelaufene Energieeffizienzgesetz zu erstellen. 

Grundsätzlich sind alle europäischen Staaten verpflichtet die europäische Energieeffizienzrichtlinie RL 2012/27/EU in die jeweilige Landesgesetzgebung umzusetzen. Österreich riskiert dementsprechend mal wieder ein Vertragsverletzungsverfahren. 

Eine Maßnahme aus diese Richtlinie sieht u.a. Energiemanagementsysteme und Energieaudits für Unternehmen vor. Die Vorgabe gilt für Nicht-KMUs (also Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden im Jahresschnitt, die mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz haben oder deren Bilanzsumme über 43 Millionen Euro liegt). Das Energiemanagementsystem kann in ein bestehendes Managementsystem (zB ISO 140001 oder EMAS) eingebunden sein und soll die strukturierte Erfassung der Energieverbräuche und eine entsprechende Senkung erreichen. Wenn Sie das Thema näher interessiert, suchen Sie nach ISO 50001. 

Aber auch wenn man aufgrund der Firmengröße nicht zu einem solchen System verpflichtet ist, sollte es im Interesse eines jedes Unternehmens und damit im Fokus von verantwortlichen Führungskräfte sein, den Energie- und Ressourcenbedarf strukturiert zu erheben, die Werte zu kennen, Reduktionsziele zu setzen und dann auch entsprechend umzusetzen.

Ohne Ziel ist jeder Schuss ein Treffer

Diese alte Weisheit bewahrheitet sich auch beim Energie- und Ressourcenverbrauch. Und wenn Sie sich schon die Mühe machen, diese Daten zu evaluieren und eine möglichst genaue Zuordnung zu treffen (v.a. bei Stromverbrauchern relevant), könnten Sie auch gleich die Mengen und Emissionen für die Berechnung der Treibhausgas-Bilanz aufbereiten. Denn diese Informationen werden in Zukunft auch immer wichtiger. Dazu gleich mehr. 

Ich weiß, einerseits ist die Zeit knapp und es gibt vermeintlich tausend wichtigere Probleme. Andererseits, die Zeit der billigen Energie ist vorbei. 

Heute habe ich mit einem Freund in der Steiermark gesprochen, dessen Energieversorger für den Privathaushalt einen börsengebundenen Strompreis von 67 ct/kWh verrechnet. Bei solchen Preisen wird Energiesparen zur absoluten Notwendigkeit. Wir haben hier in Tirol Glück, denn unser EVU (Energieversorgungsunternehmen) verlangt derzeit nur 16,7 ct/kWh brutto inkl. aller Steuern und Abgaben. 

Unternehmen haben zwar immer noch die Möglichkeit aufgrund großer Abnahmemengen die Strompreise leichter zu verhandeln, aber die Preise werden hier auch höher. Aber wenn Unternehmen Stromabnahmeverträge (PPAs – Power Purchase Agreements) verhandeln, brauchen sie ebenso Kenntnis über die Verbrauchsmengen und Spitzenlasten. 

Energiekennzahlen für erneuerbare Energieprojekte wichtig

Wenn Sie die Zeit für die Projektierung oder den Ausbau von erneuerbaren Energien nutzen wollen, sind gewisse Energiekenngrößen (Gesamtverbrauch, Spitzenverbrauch, Verbrauchszeiten, etc.) ebenso nötig bzw. hilfreich die Anlagen entsprechend zu dimensionieren. 

Mehr dazu erfahren Sie im #RestartThinking Blogartikel “Erneuerbare Energieanlagen – maßgeschneiderte Lösungen”.

Weitere Gründe sich mit den Energiekennzahlen zu beschäftigen

Neben dem derzeit scheinbar dringendsten Problem der Energiepreise, macht das wirklich dringendste Problem der Welt – und damit von uns allen – keine Pause: Die Klimakrise 

Die Reduktion von Ressourcen und Energie bringt daher weitere Vorteile. 

  1. Durch das Energiesparen müssen weniger ausgeben. 
  2. Es werden weniger Treibhausgase emittiert.
  3. Und damit werden auch wiederum Kosten gespart. Denn die Steuern auf CO2 aus Treibstoffen – wenn hierzulande noch viel zu niedrig angesetzt – werden mittelfristig steigen. 

Zudem wird der regulatorische Druck die CO2 Emissionen zu kennen und zu reduzieren über die EU-Richtlinien der Taxonomie und der CSRD (Corporate Sustainable Reporting Directive) mittelfristig ebenfalls zunehmen. Dazu werden wir in einem späteren #RestartThinking Blogbeitrag berichten, denn derzeit wird die Zeitschiene der CSRD nochmals angepasst.

Und die Nachfrage von Kund:innen – egal ob jetzt B2C oder B2B – nach klimaschonenden Produkten wird ebenfalls steigen. Und bitte betreiben Sie hier kein Greenwashing, so etwas rächt sich. Dann kommunizieren Sie lieber den geplanten Weg und die tatsächlich erreichten Schritte als zu versuchen die Kunden mit irgendwelchen Marketingslogans hinters Licht zu führen. So etwas kommt früher oder später raus.

Welche Zahlen sollten Sie kennen?

Zuerst starten Sie auf grober Flughöhe und betrachten die Stoff- und Energiemengen auf Unternehmensebene. Was kann dem Unternehmen zugeordnet werden? Etwa sind bei großen Unternehmen Beteiligungsverhältnisse (zB Firmenbeteiligung, Joint Ventures oder Leasingobjekte) zu beachten. 

Dann geht es weiter auf die Standortebene. Gibt es gemessene Daten oder hat man nur irgendwelche Abrechnung mit ungefähren Zuordnungen? 

Anschließend sollten Sie anhand des Wertstroms des Unternehmens die Mengen den einzelnen Prozessabschnitten und später auch großen Anwendungen (v.a. Maschinen in Produktionsunternehmen) zuordnen können. 

Denn je genauer die Kenntnis ist, desto schneller können Prioritäten gesetzt und Einsparungspotentiale gehoben werden. Ansonsten beginnt die Detektivarbeit. Wir erleben es häufig in der Praxis, dass Prozesse mit viel Aufwand optimiert werden, obwohl die großen Potentiale ganz wo anders vergraben liegen. 


Welche Daten sollten für das Einsparungspotential und die Treibhausgasbilanz erhoben werden? 

  • Die eingesetzten Stoffmengen
    • In der Energieproduktion – wenn fossile (Erdöl, Erdgas) oder biogene Stoffe (zB Holz, Biomasse) nötig sind 
    • In der Produktion – diese Mengen sind vor allem bei produzierenden Unternehmen enorm
    • Allgemeine Stoffe zB Betriebsstoffe, Schmiermittel, Kühlmittel, aber auch Substanzen in Feuerlöschanlagen
  • Die Energiemengen von Strom, Wärme, Kälte, Dampf und Druckluft
    • Wie viel wird selbst produziert?
    • Wie viel wird zugekauft? Von welchen Anbietern?
    • Wie viel Energie verbrauchen unsere Lieferanten um unsere Warenbestandteile oder Hilfsstoffe zu produzieren? Das ist dann schon die hohe Kunst der Treibhausgasbilanzierung (Scope 3), dazu kommen wir in einem späteren Blogbeitrag.
  • Die anfallenden Abfallstoffe
    • Welche Reststoffe fallen an?
    • In welchen Mengen?
    • Wie werden diese recycelt?
    • Wie hoch ist der Recycling- bzw. Entsorgungsanteil?

Wo findet man diese Daten?

Einerseits muss man mit den entsprechenden Abteilungen, wie Einkauf, Buchhaltung oder Facility Management, sprechen. Anderseits merkt man auch häufig, dass viele Daten nicht verfügbar sind und dementsprechend erst ermittelt bzw. aufbereitet werden müssen. 

Beispielsweise werden dazu Energiezähler in den einzelnen Wertstromabschnitten installiert oder Mengen von Rechnungen anhand von gewissen Schlüsselkriterien den Prozessen zugeordnet. Dass diese Arbeit teilweise sehr mühsam sein kann um erstmals Struktur hineinzubringen, muss ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen.


Eigene Erfahrungen beim Energiesparen

Ich beschäftige mich bereits seit dem letzten Jahr mit der systemischen Erfassung der Daten um unsere Treibhausgasbilanz erstellen zu können. Davor haben wir im eigenen Interesse die Daten von Heizung und Energieverbrauch strukturiert erfasst um Jahresvergleiche und Kostenentwicklungen transparent machen zu können.

Im Energiebereich sind wir seit Firmengründung im Jahr 2014 klimaneutral, da ein Ökostromtarif für uns schon immer fix gesetzt war. Daher belaufen sich die Treibhausgasemissionen im Bereich Strom auf 0 (CO2/kWh). 

Im Jahr 2019 sind wir umgezogen. Beide Immobilien hatten bzw. haben eine Erdwärmeheizung. Da diese Heizungen mit Ökostrom betrieben werden, belaufen sich die Emissionen aus dem Wärmebereich ebenfalls auf 0 (CO2/kWh th). Seit 2020 produzieren wir zudem eigenen Strom mittels einer PV-Anlage

Erneuerbare Energie kann mittels Photovoltaik ohne großen Aufwand fast überall selbst erzeugt werden.
Erneuerbare Energie kann mittels Photovoltaik ohne großen Aufwand fast überall selbst erzeugt werden.

Verbrennungsprozesse gibt es in diesem Sinne in unserem Unternehmen ebenso keine. Seit 2016 fahren wir bereits elektrisch, daher fallen auch hier keine Treibhausgas-Emissionen an. Die Jahre 2014 bis 2016 analysieren wir der Vollständigkeit noch. 

Elektromobilität ist längst alltagstauglich.
Elektromobilität ist längst alltagstauglich, wir fahren seit 2016 elektrisch.

Kühlprozesse gibt es keine, Dampf und Druckluft wird nicht benötigt. Die treibhauswirksamen Mittel in den Feuerlöschanlagen oder der Erdwärmeheizung mussten nicht erneuert werden, daher gab es auch hier keine Emissionen.

Laut der Logik des Treibhausgas Protokolls (GHG Protocol) sind wir innerhalb unserer Unternehmensgrenzen (Scope 1 und Scope 2) derzeit bereits klimaneutral, da keine Treibhausgase ausgestoßen werden. An den Emissionen der vor- und nachgelagerten Prozessketten (Scope 3) arbeite ich gerade. Dazu zählen dann Arbeiten, wie die Recycling- und Entsorgungsmengen zu erfassen oder das Beschaffungswesen zu analysieren. 

Als Dienstleistungsunternehmen ist besonders das Mobilitätsverhalten interessant. Die Mitarbeitermobilität (Fahrten von Mitarbeitenden hin und von dem jeweiligen Unternehmensstandort) kann bei großen Betrieben ein großer Emissionsfaktor sein, den es zu beachten und zu reduzieren gilt. In unserem Fall ist dieser Punkt nicht anwendbar, da sich Betrieb und Privathaushalt im selben Gebäude befindet.

Dafür fallen die Geschäftsreisen ins Gewicht, da wir unsere Leistung meist bei unseren Kunden vor Ort erbringen. Daher wurde für die Fahrten, verschiedenen Verkehrsmittel, Übernachtungen und Einsparungspotentiale ein System erarbeitet, um die Daten strukturiert zu erfassen und Fehler bei der Erfassung zu minimieren.

Die Bahn ist essentiell für die Verkehrswende.
Die Bahn ist essentiell für die Verkehrswende.

Ausblick auf den Herbst

Über die genauen Hintergründe und Vorgehen bei der Treibhausgasbilanz schreibe ich diesen Herbst noch. Der Aufwand sich Gedanken zum Energiesparen lohnt sich, denn er bietet enorme Potentiale und Möglichkeiten. Ja, auch wenn die derzeitigen Zeiten herausfordernd sind und oft Ablenkung durch scheinbar dringendere Probleme droht, lohnt sich der Aufwand.

Apropos, Ablenkung und Ausreden. In den nächster #RestartThinking Blog Ausgabe erwartet Sie ein Ausflug in die Klimapsychologie. Mein Mann und ich bereiten gerade eine Projektwoche an der Hochschule Hannover vor. Das Thema der Woche lautet „Klima-Transformation und Nachhaltigkeit“. Dabei erarbeiten wir mit den Studierenden was Veränderungsfähigkeit und Nachhaltigkeit in Unternehmen ausmacht und wie man diese Maßnahmen umsetzen kann. Eine spannende Frage wird sein, wie können wir Menschen wirksame Maßnahmen setzen können, dass beginnt beim Energiesparen und endet bei der Klimakrise. 

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Herbst! Bei Fragen zur Treibhausgasbilanzierung oder der optimalen Auslegung von erneuerbaren Energiekonzepten freue ich mich auf Ihre Nachricht.

Herzliche Grüße
Marlene Buchinger

Veränderung. Denken. Können.
#RestartThinking