German Reichweitenangst - die Mythen der Autolobby - Teil 2
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German Reichweitenangst – Mythen der Autolobby 2

Wie bereits im ersten Teil der Serie „German Reichweitenangst“ besprochen, halten die Mythen und Vorurteile gegen Elektromobilität und die Verkehrswende der genauen Betrachtung nicht stand. In diesem zweiten Teil widmen wir uns weiteren Stilblüten und den eigentlichen Beweggründen neue Formen der Mobilität abzulehnen.

Die Kunden wollen keine alternativen Antriebe

Dieses Argument wird gerne von Autoherstellern vorgebracht, die sich noch nicht mit der mobilen Zukunft auseinandergesetzt haben. Tatsächlich, sind viele KundInnen durch unsachgemäße Berichterstattung verunsichert. Wir sehen auf diversen Plattformen und in Zeitschriften teilweise haarsträubende Berichte und Kommentare von Leuten, die leider selbst von E-Mobilität und alternativen Antrieben keine Ahnung haben. Über jeden Brand eines Teslas wird seitenlang berichtet, wenn Benziner oder Diesel-Fahrzeuge brennen oder gar explodieren wird das als scheinbar normal hingenommen.

Eine Prämie für E-Fahrzeuge ist planwirtschaftlich

Auch das ist eine wunderbare Argumentation der Verbrennerlobby. Selbstverständlich sind

  • die Abwrackprämie 2008 und der Wunsch nach selbiger im Jahr 2020,
  • die niedrigen KFZ-Steuern, vor allem für spritdurstige Wagen, in Deutschland,
  • der niedrige Dieselpreis trotz des höheren Energiegehalts als bei Benzin,
  • die Dienstwagenprivilegien und
  • dass die Straßenbenützung in Deutschland (aka Maut-Desaster) noch immer nicht gratis ist,

Instrumente im streng marktwirtschaftlichen Sinn. Bitte entschuldigen Sie, aber etwas Sarkasmus kann ich mir in diesem Zusammenhang nicht verkneifen! Ich bin für eine konsequente Besteuerung der Umweltverschmutzung über den CO2-Ausstoß, dann wäre nämlich die Entscheidung zugunsten von E-Fahrzeugen, CarSharing-Angeboten und öffentlichen Verkehrsmitteln schnell getroffen. In gewissen Kreisen muss man allerdings aufpassen, für die Aussage der CO2-Besteuerung nicht gesteinigt zu werden.

Neue Verbrenner helfen dem Klima

Das ist ein weiteres Mythen-Highlight aus der Trickkiste der Auto-Lobbyisten. „Neue Motoren sind umweltentlastend.“ Nur weil neue Fahrzeuge weniger dreckig sind, sind sie damit nicht automatisch sauber! Und selbst wenn die Effizienz der Motoren besser sein sollte, so werden die Fahrzeuge immer größer und schwerer, damit ist der Effizienzgewinn auch wieder dahin. Außerdem musste man in den vergangenen Monaten immer wieder feststellen, dass auch die Verbrenner der neusten Generation nicht sauberer oder effizienter waren als ihre Vorgängermodelle.

E-Autos sind viel umweltschädlicher

Auch diese Aussage bekommt man oft zu hören. Gerne in folgenden Nuancen:

  • Die Batterieerzeugung ist energieintensiv„: Ja, das stimmt bei der Herstellung. Aber die Gesamtbilanz ist ausschlaggebend. Erstens wird die Nutzungsdauer sehr lange garantiert – etwa mit acht Jahren, wie bei Tesla (1) oder sogar für eine Million Kilometer bei Toyota (2). Und zweitens können die Batterien ein zweites Leben als Hausspeicher bekommen. Versuchen Sie das mal mit einem Verbrennungsmotor. Außerdem können die Bestandteile der Batterie je nach Verfahren bereits zu über 90 % recycelt werden. (3)
  • Die Verwendung von seltenen Erden ist ganz schlimm„: Ja, auch das stimmt teilweise. Hersteller, wie Tesla haben darauf reagiert, reduzierten den Kobalt-Anteil bereits und forschen intensiv daran, dass deren Batterien ganz ohne Kobalt auskommen.(4) Außerdem wird leider nicht darüber berichtet, wie viele seltene Erden (z.B. Cer, Lanthan, Yttrium, Paladium) in konventionellen Fahrzeugen zum Einsatz kommen, daher stimmt die Argumentation nur teilweise.
  • Gerne wird in solchen Diskussionen der Materialeinsatz von konventionellen Fahrzeugen vergessen. Ein Elektrofahrzeug hat nur etwa 10 % der Bauteile eines konventionellen Autos. Die 90 % zusätzlichen Teile müssen auch produziert, verbaut und gewartet werden.
  • Besonders perfide wird es, wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden: Beim E-Auto wird jeder Prozessschritt von der Produktion jedes Gramms Lithium bis hin zum Strommix hochgerechnet, während man bei Benzin und Diesel so tut, als würden die Treibstoffe auf dem Ölbaum neben der Tankstelle wachsen. Wie bereits in unserem #RestartThinking-Artikel Mobilitätswende dargestellt, werden die Risiken der Ölförderung gerne mal vergessen. Die ökologischen Auswirkungen der Ölförderung generell und insbesondere, wenn es zu Unfällen kommt, ist irrsinnig. Es wird zudem nicht berücksichtigt, wenn ganze Regionen destabilisiert und wegen des Öls Kriege geführt werden.

Deutschland wird die Wasserstoffnation Nummer 1

Auf die deutsche Wassserstoffstrategie gehe ich in einem der nächsten Blogbeiträge ausführlich ein, denn das Thema ist sehr umfangreich und wird gerade zum Megahype aufgebauscht. Da die Themen E-Mobilität und Batterietechnik verschlafen wurden, habe ich den Eindruck, dass sich einige Protagonisten aus Deutschland und Österreich halbherzig auf das Thema Wasserstoff als neuen Allheilbringer fokussieren. Leider zeigt sich auch hier wieder, das alte Leid: Man zieht die Idee nicht durch. Zwar wurde die Brennstoffzelle in Deutschland erfunden, aber die Idee wird nicht ernst genommen. Dafür machen andere (z.B. Toyota, Hyundai) ernst und sind mit dem Know-how schon wesentlich weiter. Aus der deutschen Sichtweise heraus ist es verständlich – aber leider trotzdem nicht sinnvoll – dass das Thema „E-Fuels“ auch gehypt wird. Das sind Treibstoffe, die u.a. aus Wasserstoff hergestellt werden können und dann in koventionellen Verbrennerfahrzeugen verfeuert werden sollen. Die Sinnhaftigkeit dieser Kraftstoffe ist jenseits von gut und böse, da die E-Fuels sehr energieaufwendig erzeugt werden müssen, um dann in einem Verbrennungsmotor mit einem Effizienzgrad von unter 20 % anschließend in Bewegung umgesetzt zu werden. Die E-Fuels betrachten wir auch in einem der nächsten #RestartThinking Blobeiträge.

Die Mythen der Verbrennerlobby – was bleibt?

Wenn man sich all diese Punkte ansieht, dann spricht rational betrachtet, kein einziges Argument für die Verbrennungstechnik.

Aber warum glauben so viele an diese Mythen?

Die Ursachen liegen im emotionalen Bereich und sind diffus. Ist es die Angst vor Statusverlust, weil man mit dem ICE anstelle des Daimlers vorfährt? Ist die Scheu vor dem Unbekannten, weil die Zukunft nicht mehr so sein wird wie bisher? Die Bequemlichkeit etwas anders zu tun, gehört sicherlich auch zu den Einflussfaktoren.

Die Beweggründe sind vielfältig, aber eines ist sicher: Die Zukunft wird kommen und wir können sie verändern oder wir bleiben so und werden verändert. Es reicht aber nicht, eine Technik, die der Alten ähnelt, zu verwenden, sondern wir müssen unser Verhalten ändern, um wirksame Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe zu setzen. Viele haben das schon erkannt und gehen mit gutem Beispiel voran. Ich bin der Meinung:

Eine Veränderungen muss nicht negativ sein, denn zur Zeit der Pferdekutsche glaubte auch niemand an den Erfolg der Autos. Jetzt wird es Zeit für den nächsten Schritt! 

Das waren die gängigsten Mythen der Autolobby. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen, denn immer wieder kommen neue Stilblüten zu Tage. Haben Sie Fragen oder Kommentare? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht.

Beste Grüße
Ihre Marlene Buchinger

Quellen:

  1. Tesla Fahrzeug- und Batteriegarantie
  2. Toyota E-Transporter mit 1 Million Kilometer Garantie
  3. Ingenieur.de Artikel über Batterierecycling
  4. Tesla Nachhaltigkeitsbericht 2019