Grüner Wasserstoff - ist das unser Allheilmittel gegen die Klimakrise? Teil 4 des #RestartThinking Blogs
Allgemein

Grüner Wasserstoff als Zukunftshoffnung – Teil 4

Grüner Wasserstoff wird gerne als Stoff der Zukunft bezeichnet und soll die Klimakrise lösen. Kann das gelingen? In den bisherigen #RestartThinking Blog Folgen haben wir daher bereits die Definition und Arten von Wasserstoff geklärt, sind den Einsatzgebieten auf den Grund gegangen und haben uns die hochtrabenden Pläne für die Zukunft angesehen. Jetzt bleiben die spannenden Fragen, welche Einflussfaktoren und Stolperfallen gibt es bei der erfolgreichen Umsetzung der Wasserstoffpläne und reicht das für eine wirkliche Systemänderung, die wir bei der Klimakrise brauchen?

Keine falschen Illusionen

Auch wenn die Pläne toll klingen, dürfen wir uns keine falschen Illusionen über Wasserstoff machen:

  • Die Herstellung von Wasserstoff ist immer energieaufwändig. Bei der Elektrolyse sind 4,3 –4,9 kWh Energie pro m3 Wasserstoff nötig (1).
  • Derzeit werden 99,7 % des Wasserstoffs (derzeitige Gesamtmenge knapp 70 Megatonnen p.a.) aus fossilen Energieträgern hergestellt und nur 0,7 % aus nachhaltigen Quellen („grüner“ und „blauer“ Wasserstoff“).
  • Es gibt keine – auch nur annähernd – ausreichenden Kapazitäten um die bisherigen Sektoren, die Wasserstoff im großen Stil verwenden (Raffinerien, Chemische Industrie, Stahlherstellung) zu dekarbonisieren.
  • Bis 2030 ist auch nicht viel Besserung in Sicht. Wie bereits beschrieben, rechnet die IEA mit 7,92 Megatonnen grünem und blauem Wasserstoff im Jahr 2030 (2). Im Vergleich zum heutigen Verbrauch wären das 11,3 % aus nachhaltigen Quellen
  • Viele Herstellfahren oder auch die Brennstoffzelle sind noch im Versuchsstadium
  • Zudem fehlt die komplette Infrastruktur für die großflächige Bereitstellung (Speicherung, Leitungen bzw. Transport). 
  • Für weitere zukünftige Anwendungen, wie Mobilität oder den Wärmesektor, und den damit steigenden H2-Bedarf reichen die Mengen bei weiten nicht
  • Neben den fehlenden Kapazitäten zur Wasserstoffherstellung sind die benötigten Mengen an Strom aus erneuerbaren Energien nicht vorhanden. 
  • Der Ausbau der erneuerbaren Energien hinkt im Vergleich zu den fossilen Energieträgern hinterher. Laut der IEA-Energiebilanz wurden von den weltweit produzierten Energiemengen im Jahr 2018 gerade mal 13,67 % regenerativ hergestellt (3).
  • Atomstrom ist keine Alternative.
  • Grünes Gas“: Die Verwendung Biogas oder Biomasse-Pyrolyse-Anlagen zur Wasserstoffherstellung lenkt vom Thema ab. Das Gas ist nur marginal vorhanden und wird hauptsächlich verstromt bzw. die Pyrolyse-Anlagen sind noch größtenteils im Versuchsstadium

Was bei der Wasserstoff-Diskussion auch noch gerne vergessen wird

Neben den oben genannten „großen“ Themen, wie dem Stand der Technik und der notwendigen Energie, gibt es noch weitere Einflussfaktoren, die das Projekt „Wasserstoff“ maßgeblich beeinflussen. 

  • Wasserstoff ist ein indirektes Klimagas und beeinflusst das chemische Gleichgewicht in den oberen Luftschichten unserer Atmosphäre. Leckagen über die gesamte Wasserstoff-Prozesskette – von der Herstellung, dem Transport und der Lagerung bis hin zur Verwendung – sind daher einzurechnen und bei der Kalkulation der CO2-Ersparnis im Vergleich zu fossilen Technologien zu berücksichtigen (4). 
  • Ein Satz aus der deutschen Wasserstoffstrategie brachte mich zum Schmunzeln (5): „Negativereignisse und Unfälle können die Akzeptanz der Wasserstofftechnologie gefährden.“ Stimmt, Wasserstoff ist reaktionsfreudig und bei unsachgemäßer Handhabung kann es bis hin zu Explosionen kommen. Zudem sind größere Mengen sind für Menschen giftig (6). 
  • Etwa zwei Drittel der benötigten Rohmaterialien für Brennstoffzellen und Elektrolyseure sind in der EU nicht vorhanden und müssen entsprechend importiert werden (7).
  • Außerdem braucht man für die Elektrolyse entsprechende Wassermengen (9 Liter pro Kilo Wasserstoff). Bei der derzeitigen jährlichen Produktionsmenge von 70 Mt pro Jahr, wären dafür 617 Millionen Kubikmeter Wasser nötig (8) – oder anders gesagt fünfmal das maximale Volumen des Sylvensteinspeichersees an der Grenze zwischen Tirol und Bayern bei Lenggries (9). 
  • In Meeresnähe kann Salzwasser verwendet werden, das aber vorher mittels zusätzlichem Energieeinsatz noch entsalzt werden muss (3-4 kWh Energie pro m3 Wasser). Ohne Entsalzung kann es zur Korrosionsschäden an den Anlagen kommen (10). 
  • Das bringt uns zu den weiteren Standortfragen: Soll Wasserstoff wieder zentral hergestellt und anschließend verteilt werden oder ist die dezentrale Herstellung und Nutzung doch das bessere Konzept? In der Stromerzeugung dominierten jahrzehntelang Großkraftwerke bis die dezentralen Anlagen für Windenergie, Photovoltaik und Biomasse den Markt durcheinander wirbelten. Hier werden sich sicherlich wieder Lobbyisten für große Player in Stellung bringen, denn mit Großanlagen ist viel Geld zu machen, obwohl dezentrale Strukturen (local-for-local) wesentlich effizienter sind.
  • Je nach Erzeugungsstrategie (zentral/dezentral) müssen die Transportwege entwickelt werden: Beim Import mit Schiffen oder Pipelines fehlt die Infrastruktur für den Transport über lange Wege. 
  • Um den gasförmigen Wasserstoff besser transportieren zu können, muss dieser komprimiert oder sogar verflüssigt werden. Dazu braucht man allerdings Energie – genauer gesagt 12 bzw. 30 % des Wasserstoffheizwertes (11). 
  • Aber auch bei Kurzstrecken ist die Infrastruktur nicht vorhanden.
  • Die Nutzung der bestehenden Gasinfrastruktur ist nur eingeschränkt möglich, denn das Beimischen von Wasserstoff  zum Erdgas (englisch blending) ist wenig effizient und vermindert den Wert des Wasserstoffs. Außerdem wird die Qualität des derzeit verwendeten Gases verändert und es kann zu Problemen bei der – vor allem länderübergreifenden – Gasinfrastruktur und bei den Anwendungen der Endkonsumenten kommen (12).
  • Wie sehen die Standards aus, wenn man den Wasserstoff importiert? Wie kann man sicherstellen, dass es sich um nachhaltige Produktion handelt? In Drittländern, wie in Nordafrika oder dem Nahen Osten, ist der Ausbau von erneuerbaren Energiequellen noch nicht in ausreichendem Maß vorangeschritten um den eigenen Energiebedarf decken zu können. Zudem kämpfen diese Länder mit Wasserknappheit. Es bringt daher nichts Wasserstoff aus fossilen Quellen über weite Strecken zu importieren.
  • Wie sieht es mit der politischen Stabilität der Länder aus? Es ist definitiv nicht sinnvoll, sich von einem neuen Rohstoff abhängig zu machen. Das sollten wir schon bei Gas aus Russland oder dem Streit der OPEC Staaten gelernt haben.

Sie sehen, dass Thema Wasserstoff ist komplex und viele der Punkte sind nicht schnell zu lösen. 


Worum geht es wirklich?

Der von mir sehr geschätzte Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, bringt es auf den Punkt. Quaschnig bezeichnet die deutsche Wasserstoffstrategie als „reines Ablenkungsmanöver“, denn von einer Überkapazität an erneuerbaren Energieträgern sind wir weit entfernt und ohne diese wird es mit dem „grünen“ Wasserstoff nichts werden. Der Wissenschaftler hält die derzeitigen Diskussionen für eine „Luftnummer“. In einem sehr lesenswerten Interview mit der Plattform Watson führt Quaschnig unter anderem aus:

Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen würden, würden wir den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben. Aber man baut lieber nicht, will stattdessen klimaneutralen Wasserstoff aus Afrika holen und redet nicht darüber, ob das realistisch ist.“ (13)


Die Probleme unseres Wirtschaft- und Energiesystems in Bezug auf die Klimakrise sind bekannt:

Wir leben auf zu großem Fuß und nehmen uns damit selbst unsere ökologische Nische. 

Die Erkenntnis des anthropogenen Klimawandels gibt es seit mehr als 40 Jahren. Lange Zeit wurden diverse Studien als Panikmache abgetan oder schlichtweg geleugnet. Das hat sich mittlerweile etwas gebessert. Dennoch wird nach wie vor von der technologischen Lösung gesprochen – dass zur richtigen Zeit die richtige Lösung kommen wird. Das passiert nicht! Wir kommen um Veränderungen nicht herum. Diese müssen nicht immer negativ sein, wie ich bereits im Artikel „Was wir wirklich brauchen“ beschrieben habe.

Derzeit ist allerdings zu befürchten, dass der Wasserstoffhype als bequeme Ausrede genommen wird, um wieder nichts gegen die Klimakrise zu tun. Damit verlieren wir noch mehr Zeit.


Das oberste Ziel

Auch wenn es sich noch immer nicht an alle herumgesprochen hat: 

Unser oberstes Ziel muss es sein, unseren Ressourcen- und Energieverbrauch zu reduzieren, sodass wir Klimaneutralität erreichen und die Umweltzerstörung und den Artenschwund stoppen.

Kurz gesagt: Weniger von allem. Bevor jetzt einige der Leser:innen Schnappatmung bekommen. Denken Sie an Ihre Waage – weniger muss nicht schlechter sein. 

Die weltweit produzierten Energiemengen bestehen zu über 86 % aus fossilen Energieträgern (14) und dementsprechend zu hoch ist der Ausstoß an Klimagasen. An dieser Menge sieht man, dass Wasserstoff alleine das Problem nicht lösen wird. Das Zitat von Claudia Kempfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik, finde ich besonders zutreffend: „Wasserstoff ist der Champagner unter den Energieträgern. (15)“ 

Eine Veränderung unseres Ressourcen- und Energieverbrauches ist unumgänglich. Das bedeutet Reduzieren –> Anpassen –> Ersetzen – genau in dieser Reihenfolge. 

ReduzierenAls wichtigste Maßnahme muss der absolute Verbrauch gesenkt werden. Die größten Energieverbraucher sind v.a. die Bereiche Industrie, Verkehr und Haushalte (16)
Anpassen – EffizienzAnschließend folgt die sinnvollere Verwendung des Bestehenden.Etwa müssen die Lastspitzen von Erneuerbaren Energien gespeichert anstatt abgeregelt werden. Auch sparsamere Anwendungen und Geräte sind ein wesentlicher Beitrag.
ErsetzenHier ist der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien anstatt von fossilen Energieträgern nötig. 
In den Bereichen in denen kein Ersatz möglich ist (z.B. Stahlindustrie) kann Wasserstoff zur Anwendung kommen.
 Verwendung von „grünem“ statt „grauem“ Wasserstoff.
Veränderung unseres Ressourcen- und Energieverbrauchs

Die Einsparungsmöglichkeiten sind groß: Die Dena (Deutsche Energieagentur) geht im Rahmen der Initiative Energieeffizienz von Einsparungspotentialen im öffentlichen und privaten Sektor in Deutschland von 20 bis teilweise 50 % aus (17). Über den Verkehrsbereich und die möglichen Veränderungen (z.B. Nutzen von E-Mobilität und dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs) schreiben wir im #RestartThinking Blog seit Jahren. Ein wesentlicher „Energiefresser“ ist der Bereich Wärme und Kälte, der in der EU etwa 50 % des Endenergiebedarfs ausmacht und größtenteils über fossile Energieträger gedeckt wird. Das betrifft einerseits den industriellen Bereich, als auch die Haushalte (18). Veränderte Vorgaben, wie etwa das Verbot von Ölheizungen in österreichischen Neubauten ab dem Jahr 2020 (19), sind ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. 

Auch die Sektorkopplung ist ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung, obwohl sie noch eher sträflich behandelt wird. Unter Sektorkopplung versteht man die sinnvolle Vernetzung verschiedener Bereiche oder Anwendungen – also Elektrizität, Wärme, Verkehr und Industrie. Wir betrieben beispielsweise Sektorkopplung indem wir mit unserer Photovoltaikanlage sowohl Strom (Elektrizität) als auch Wasser für die Heizung und Warmwasserbereitung wärmen (Wärme) und zudem noch die Batterie des Elektroautos laden (Verkehr). Ein anderes Beispiel ist etwa die Nutzung von Abwärme aus Industrieprozessen um nahegelegene Gebäude zu heizen oder auch zu kühlen. 

Der notwendige massive Ausbau der erneuerbaren Energie ist unbestritten und schon ausreichend diskutiert worden. Dass die Energiegestehungskosten der Erneuerbaren im Vergleich zu fossilen Energieträgern wesentlich niedriger sind, ist schon länger bekannt (20). Es spricht einfach kein logischer Grund gegen dezentrale Energieversorgung mit entsprechender lokaler Wertschöpfung und damit einhergehender Reduktion der Energieimporte. Ja, die Regelung der Stromnetze ist aufwändiger. Hier kann Wasserstoff zur Lastregelung einen sinnvollen Beitrag leisten. Der entsprechende Aus- bzw. Umbau der Energienetze muss in diesem Bereich entsprechend berücksichtigt werden.


Anreize – wie kann das gelingen?

Diese Maßnahmen sind nicht neu. Warum ist seit so vielen Jahren nicht wirklich etwas passiert? Das Problem ist, ohne finanzielle Anreize geht nicht viel voran. Die Freiwilligkeit hat uns in den letzten zwei Jahrzehnten nicht wirklich weitergebracht. Es darf einfach nicht mehr kostenlos sein, die Umwelt zu verschmutzen. Sie und ich zahlen Gebühren, damit unser Müll abgeholt und entsorgt wird. Warum ist aber der Ausstoß von Treibhausgaben noch immer beinahe „gratis“?

Das ändert sich langsam. Deutschland hat beispielsweise Anfang 2021 eine CO2-Steuer auf Treibstoffe eingeführt. Allerdings ist die Starthöhe von 25 Euro pro Tonne CO2 lächerlich gering und selbst im Jahr 2025 sind die 55 Euro pro Tonne CO2 noch immer viel zu niedrig bemessen (21). Andere Länder, wie Schweden oder die Schweiz, sind da schon wesentlich weiter. 

In der Schweiz beträgt die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe derzeit 96 Franken pro Tonne CO2. Die Abgabe wurde 2008 eingeführt und seitdem schrittweise erhöht. Dazu gibt es einen klaren Fahrplan, wenn die nationalen Einsparungsziele innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nicht erreicht werden, steigt die Abgabe auf den nächsthöheren Betrag. Anschließend wird der Zeitraum wieder evaluiert, usw. Damit hat man Planungssicherheit. Begleitet wurde die Abgabe von einer ökosozialen Reform, denn etwa zwei Drittel der Erträge der CO2-Abgabe gehen an die Bevölkerung zurück. Außerdem wird mit dem Geld die Forschung neuer Technologien gefördert. Unternehmen können sich auch von der CO2-Abgabe befreien lassen, wenn sie einen klaren Fahrplan mit Reduktionszielen vorlegen und diesen auch einhalten (22). Ja, das wird kontrolliert!


Die Industrie geht nicht unter

Nein, der Untergang der Industrie kommt nicht. Es wird aber endlich Zeit, dass verantwortungsvolle Unternehmensführung vor dem Shareholder Value kommt. Seit ewigen Zeiten werden Profite privatisiert und Aufwände sozialisiert. Unternehmen müssen ihren Anteil leisten, denn schließlich profitieren sie von Luft und Wasser ohne Verschmutzung und unbelasteten Böden – genauso wie von gut erhaltener Infrastruktur oder Mitarbeitenden, die eine ordentliche Schulbildung haben. Doch dazu müssen die Unternehmenssteuern steigen, denn die Arbeitnehmer:innen und kleinen Unternehmen, die keine Möglichkeiten zur „Steuergestaltung“ haben, zahlen heute schon den Hauptanteil.

Zu diesem Thema kann ich Ihnen den #RestartThinking Podcast von Ökonomie-Physiker Mario Buchinger empfehlen:


Die Auswirkungen der Klimakrise

Die Kosten der Klimakrise werden ein Vielfaches von dem ausmachen, was wir dagegen investieren müssen. Diese Weisheit ist seit dem Stern Report (Stern Review on the Economics of Climate Change) (23) im Jahr 2006 bekannt, aber noch nicht überall durchgesickert. Im April 2021 ist eine Berechnung der Swiss Re, einem der größten Rückversicherer weltweit, erschienen, dass die Folgen der Klimakrise bis 2050 die Weltwirtschaft 23 Billionen Dollar kosten werden (24). Wenn das jetzt nicht ein Anreiz wäre…

Anscheinend sind viele von uns ohne Preisschild in Form von Abgaben oder Strafen nicht in der Lage das Verhalten zu ändern. Aber vielleicht hilft diese Denkweise: Die Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen sind nicht „weg“ – denn durch das Geld können neue und zukunftsfähige Sektoren entstehen, die wiederum Arbeitsplätze schaffen. Im Ausbau von erneuerbaren Energien und Klimatechnologien liegt die Zukunft.


Positive Effekte für Staaten

Hier schließt sich der Kreis zum Wasserstoff und zu den erneuerbaren Energien. Staaten, die verstanden haben, dass Investitionen in die emissionsfreie Zukunft sinnvoll sind, werden Vorteile haben. 

  • Sie können Standards (ähnlich wie die DSGVO made in Europe als Qualitätszeichen bei Datenschutz) setzen 
  • und neue Sektoren mit lokaler Wertschöpfung aufbauen. 
  • Zudem reduziert man die Importabhängigkeit von anderen Staaten. 
  • Die Förderung emissionsärmerer Sektoren, wie etwa Dienstleistungen, ist ein Erfolgsfaktor der Zukunft. Gerade in der Covid19-Pandemie hat man gesehen, dass menschenzentrierte Leistungen immens wichtig sind. 
  • Sektoren, wie Landwirtschaft oder Bauwirtschaft dürfen nicht vergessen werden, denn auch diese haben massive Auswirkungen (zu hoher Düngemitteleinsatz, Zerstörung des Regenwaldes und anderer sensibler Gebiete wie Feuchtgebiete, Emissionen bei Brandrodung, verlorene CO2-Speicher, Verlust der Biodiversität, Ausbreitung von Seuchen und Monokulturen, usw.).
  • Die öffentliche Nachfrage nach bestimmten Produkten oder Kriterien, ist dabei ein wichtiger Hebel. Was spricht dagegen, bei öffentlichen Ausschreibungen klimaneutrale Produkte vorzugeben oder nur Unternehmen mit Treibhausgasbilanzierung zu berücksichtigen?
  • Neue Messkriterien sind nötig und Staaten, wie Neuseeland, zeigen es bereits: Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Wie wäre es mit einem Glücksindex (Neuseeland, Bhutan) oder tatsächlich verpflichtenden CO2-Obergrenzen (Schweiz). 
  • Die Politiker:innen und Medienvertreter:innen müssen anders kommunizieren: Veränderung statt Verzicht. Es ist in unseren gesättigten Nationen nicht schlimm, etwas weniger zu konsumieren, zu reisen, zu essen … In vielen Fällen wäre das sogar von Vorteil (weniger Zucker, weniger tierische Produkte, weniger Autofahrten, etc.). Eines habe ich mittlerweile gelernt: Das Wort „Verzicht“ ist nicht negativ, aber leider kommt das es so bei vielen Menschen an. Daher sprechen wir gerne von Veränderung, das ist eine Aktivität – die bewusste Entscheidung. Dieses Bild muss von reichweitenstarken Personen und Medien transportiert werden.

Positive Effekte für Unternehmen

Wir treten mit unserem kleinen Unternehmen seit Jahren für unsere Unternehmensvision ein: „Die Wirtschaft und die Gesellschaft handeln als Ehrbare Kaufleute.“ Ja, der Weg dazu ist weit und ich weiß nicht, ob wir das erleben werden. Denn besonders in der Wirtschaft herrschen oft Gier und kurzfristige Sichtweisen.

Wir sind allerdings überzeugt, dass die Unternehmen, die den Wandel durch die Klimakrise verstanden haben, langfristig zukunftsfähig sein werden. Selbst wenn die oben angeführten staatlichen Maßnahmen nicht so rasch kommen, kann ein anderes Unternehmen schneller veränderungsfähig sein und damit die Messlatte setzen. 

Es ist bereits eine verstärkte Nachfrage nach klimaschonenden Produkten und Dienstleistungen bemerkbar. Derzeit kann man sich als Unternehmen dadurch differenzieren und neue Kund:innen gewinnen. Außerdem sind ernst gemeinte Ambitionen ein starkes Zeichen für motivierte Mitarbeitende. Da die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften immer größer wird und junge Menschen verstärkt auf den Klimawandel achten, ist eine wirkliche grüne Unternehmensstrategie (ich rede hier nicht von „Greenwashing„) ein Wettbewerbsvorteil. 


Die persönliche Ebene

Die Klimakrise tangiert uns alle, dazu kommt noch das Artensterben und Umweltverschmutzung. Allein diese drei Gründe sprechen für einen massiven Wandel auf staatlicher Ebene, im Unternehmensumfeld und im persönlichen Bereich. Und für alle, die sich noch immer nicht betroffen fühlen, möchte ich an dieser Stelle unsere liebe Freundin Caroline Krohn zitieren, die meinte:

Klimaschutz ist wie Datenschutz – man merkt erst, was man hatte, wenn er weg ist.

Das Bewusstsein für die notwendigen Veränderungen ist der erste Schritt um aktiv zu werden und selbst zu gestalten.


Fazit: Wasserstoff als Zukunftshoffnung

Die Klimakrise stellt uns vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist unumgänglich. Wasserstoff ist ein möglicher Beitrag, aber keine allgemeine Lösung für unsere Probleme und daher nicht die Zukunftshoffnung, als die er immer dargestellt wird.

Das deutsche Ziel „die Technologie zur Wasserstoffproduktion und -anwendung zu entwickeln und „Technologieführer“ zu werden“ ist zu wenig. Es lenkt von den bisherigen Versäumnissen beim Ausbau der erneuerbaren Energien ab und diese Technologiegläubigkeit verhindert wirkliche Verhaltensänderungen. Denn die Hoffnung auf die Wasserstofftechnologie dient als bequeme Ausrede nichts zu verändern. Damit verlieren wir noch mehr Zeit, die wir nicht haben.

Der Ökonomie-Physiker Mario Buchinger beschreibt es sehr schön:

Wasserstoff ist nichts anderes als ein Image-Katalysator.

Wasserstoffthemen, wie Power-to-X mit maximalen Wirkungsgraden von 12-20 %, sind jenseits aller Vernunft und dienen nur dazu alte, lobbystarke Sektoren am Leben zu erhalten. Zum Thema Stranded assets und der Carbon Bubble werden wir heuer noch hier im #RestartThinking Blog publizieren.

Statt Zeit, Geld und Energie in die Wasserstofftechnologie zu stecken, gibt es bessere Hebel um wesentliche Massnahmen gegen die Klimakrise voran zutreiben. Der Ausbau der Erneuerbaren Energie, der Speicher- und Netzstruktur und gleichzeitig die massive Reduktion der Emissionen sind die einzigen Lösungen. Das stärkt die jeweiligen Gebiete durch lokale Wertschöpfung und reduziert Importabhängigkeit. Wasserstoff kann ein Element zur Speicherung sein, aber wie man an der Elektromobilität sieht, ist der Batteriespeicher mittlerweile mehr als nur konkurrenzfähig. 

All das wird es aber nur mit einer Bepreisung von CO2 und anderer klimaschädlicher Gase gehen, denn ohne finanzielle Konsequenzen gibt es leider aus kurzfristiger Sicht vieler Entscheider:innen keinen Anlass zur Umkehr. 

Daher begrüßen wir Initiativen, wie etwa die in Frankreich. Dort wurde der „Ökozid“, also ernste Fälle von Umweltschädigungen, unter Strafe gestellt. Die Strafen gehen in die Millionenhöhe und sehen sogar Gefängnisstrafen für die Verursacher vor (25). Der Vorstoß von Joe Biden die US Emissionen zum Stand 2005 zu halbieren und die Ankündigungen der EU die Emissionen um 55 % zu senken (26) sind absolut begrüßenswert. Jetzt geht es um die Umsetzung und wir werden ohne ein ausreichend hohes Preisschild keine wirkliche Veränderung einleiten können. 

Egal ob Strafen oder CO2-Preisung: Die Gelder dieser Maßnahmen kommen uns allen zu Gute! Die Einnahmen des Staates können für Klimaschutzmaßnahmen oder andere Infrastrukturprojekte (Ausbau öffentlicher Verkehr, Gesundheitsversorgung, Bildung, etc.) verwendet werden. Die lokale Errichtung von erneuerbare Energieanlagen bringt Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Wir müssen weg von dem Gedanken, dass Ausgaben in Bezug auf die Klimakrise verschwendet sind. Wir profitieren davon – Sie und ich. Währenddessen werden häufig große Unternehmensgewinne mittels Steuertricks niedrig besteuert und kommen Einzelnen zu, die aber nicht in notwendigen Maße zur Gesellschaft beitragen. 

Diese Haltung muss sich ändern und dass wir verstehen, dass Veränderung positiv ist. Es fühlt sich besser an, die Veränderung zu gestalten als nur zu reagieren. Daher machen Sie mit und verändern Sie Ihr eigenes Umfeld, wir alle können einen Beitrag leisten. In unserer #RestartThinking Klimaaktion haben wir bereits 30 Tage lang gezeigt, was man tun kann.

Gestalten Sie Ihren Weg zur Veränderungsfähigkeit!

Das war der nun vierte und letzte Artikel zum Thema Wasserstoff. Wir werden für Sie alle Teile nochmals in einem PDF zusammenstellen und es auch eine Kurzfassung erstellen. 

Bei Fragen und Anregungen freue ich mich über Ihre Nachricht!

Beste Grüße,
Ihre Marlene Buchinger


Quellen:

  1. Chemie.de – Lexikon, abgerufen am 22.04.2021
  2. IEA – Fuels & technologies – Hydrogen, abgerufen am 16.01.2021
  3. IEA – Data – Data tables – Balances – 2018 – Production, abgerufen am 27.04.2021
  4. Science for Environment Policy: European Commision DG Environment News Alert Service, abgerufen am 17.03.2021
  5. BMWI Deutschland, „Die Nationale Wasserstoffstrategie“, Stand 06/2020, Seite 9
  6. Chemie.de – Lexikon, abgerufen am 17.03.2021
  7. European Commission, Communication “A hydrogen strategy for climate-neutral Europe”, 07/2020, S. 10 
  8. IEA, Report „The Future of Hydrogen”, 2019, S. 43
  9. Wikipedia – Sylvensteinspeicher, abgerufen am 27.04.2021
  10. IEA, Report „The Future of Hydrogen”, 2019, S. 43
  11. Bayern-Innovativ, Prof. Dr. Jochen Fricke, abgerufen am 27.04.2021
  12. European Commission, Communication “A hydrogen strategy for climate-neutral Europe”, 07/2020, S. 15
  13. Watson, abgerufen am 27.04.2021
  14. IEA – Data – Data tables – Balances – 2018 – Production, abgerufen am 27.04.2021
  15. Tagesschau.de, abgerufen 27.04.2021
  16. IEA – Data – Data browser – Energy consumption – TFC by sector, abgerufen am 27.04.2021
  17. Initiative Energieeffizienz, abgerufen am 27.04.2021
  18. Heat Roadmap Europe, abgerufen am 28.04.2021
  19. APA – OTS, abgerufen am 28.04.2021
  20. IRENA – International Renewable Energy Agency, abgerufen am 28.04.2021
  21. Deutsche Bundesregierung, abgerufen am 27.04.2021
  22. Bundesamt für Umwelt – BAFU, abgerufen am 28.04.2021
  23. Wikipedia – Stern-Report, abgerufen am 27.04.2021
  24. New York Times, abgerufen am 23.04.2021
  25. ZDF, abgerufen am 28.04.2021
  26. Spiegel.de, abgerufen am 27.04.2021

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