Allgemein

Neue E-Fahrzeuge in Sicht

Es gibt mehr E-Fahrzeuge in der EU im zweiten Quartal 2017 als im Vergleich zum Vorjahr, genauer gesagt ist die Zahl um 38 % gestiegen. Zwar liegt damit die Gesamtzahl erst bei knapp 205.000 Fahrzeugen, aber dennoch zeigt sich, dass alternative Antriebe langsam an Fahrt aufnehmen.(1)

Dementsprechend möchte ich diesen Blogartikel neuen Fahrzeugen am E-Mobil-Markt und der Veränderung des Marketings widmen. Wir waren vor kurzem zum Sonntagsfrühstück mit Freunden verabredet und fanden vor dem Café einen Tesla-Popup-Store. Für alle, die sich nichts darunter vorstellen können: Ein begehbarer LKW-Anhänger im Tesla-Branding mit Info-Monitoren und Sitzgelegenheit. Davor standen ein Model S und ein Model X von Tesla. Drei junge Leute erklärten den Interessierten Infos zum Fahrzeug und sogar Probefahrten konnten unternommen werden. Das Fahrzeug kommt somit zum Kunden.

Neues von Tesla

Im Gespräch mit einem der Tesla-Mitarbeiter erfuhren wir, dass das Ramp Up, also das Hochfahren der Produktionskapazitäten, für das neue Tesla Model 3 schneller von statten geht als erwartet. Die volle Kapazität soll im Dezember erreicht werden.(2)

Der kleine Fünfsitzer von Tesla ist der neueste Coup des Konzerns und soll mit einem Startpreis von 35.000 Dollar 220 Meilen (circa. 350 Kilometer) schaffen. Zudem gibt es Optionen für eine größere Batterie und noch mehr Elektronik für autonomes Fahren. Die Batterien stammen mittlerweile aus der hauseigenen Gigafactory.(3)

Da der Automobilhersteller aus dem Silicon Valley sowieso anders tickt als die alteingesessenen Hersteller verwundert es einen nicht, dass Tesla nicht auf der heurigen IAA in Frankfurt vertreten ist. Zudem hat Tesla noch nie irgendwelche Werbebroschüren gedruckt.

Durch die Zunahme an Automessen verlieren die großen Events an Bedeutung und etablierte Hersteller wie Nissan, Fiat oder Volvo favorisieren andere Formate.(4) Beispielsweise präsentierte Nissan zur Zeit der IAA in einer eigenen Produktpräsentation die Neuauflage des Nissan LEAF, dem meistverkauften Elektroauto der Welt. In dem Video sehen Sie ab Timer 2:40 das Fahrzeug.

Mir gefallen die klaren Kanten, die mehr Emotionen wecken als der bisherige Leaf. Mich erinnert der neue Leaf etwas an den Hundai Ioniq, den wir bereits vorgestellt haben. Die Reichweite wird mit knapp 380 km angegeben. Der Preis für das neue Modell mit der 40 kWh Batterie startet bei 32.000 Euro.(5)

Neue E-Fahrzeuge aus Deutschland

Mit dem e.Go kommt ein weiterer Spieler in den Markt, der zwar von den großen und vor allem deutschen Automobilherstellern belächelt wird, aber für die urbane Kundschaft durchaus attraktiv ist. Denn was hilft mir ein riesen SUV bei der Parkplatzsuche in Wien und München? Es sind die kleinen Autos, die in die Parklücken und Parkhäuser ohne Problem hinein und auch wieder hinauskommen. Kurze Strecken sind mit diesen E-Fahrzeugen absolut alltagstauglich und auch für den Wochenendausflug aufs Land ist so ein Gefährt ausreichend.Den e.Go Life soll es in zwei verschiedenen Batteriegrößen mit 130 bzw. 160 km Reichweite geben. Das Fahrzeug soll ab 15.900 bzw. 17.800 Euro ab 2018 zu haben sein.(6)

Für alle, denen der e.Go Life zu klein ist, entwickelt das deutsche Unternehmen auch auf Basis eines Antriebsmodules von ZF das Model Mover. Einen Kleinbus, der sowohl für private als auch für gewerbliche Zwecke ausgerüstet werden kann.(6)

Hinter dem Unternehmen steckt u.a. Prof. Dr. Günther Schuh. Ein Professor der RWTH Achen, der schon bei dem ElectroScooter involviert war. Die ElectroScooter Entwicklung wurde sehr erfolgreich an die Deutsche Post verkauft, die sukzessive ihre Flotte auf eigene E-Fahrzeuge umstellt. Außerdem hat ElectroScooter den Zuschlag für das BV1 (Bakery Vehicle 1), das Elektroauto der Bäckerei- und Handwerker Initiative von Roland Schüren bekommen.

Wie man am e.Go und am ElectroScooter sieht, verändert sich mit den Fahrzeugen auch das Marketing. Denn bevor der ElectroScooter an die deutsche Post verkauft wurde, haben nur Branchenkenner von dem Fahrzeug gehört. Der Deal kam zustande und die mediale Aufmerksamkeit folgte, auch besonders weil sich ein großes deutsches Unternehmen wie die deutsche Post für keinen der etablierten heimischen Hersteller entschieden hat. Man sieht, für eine solche Erfolgsgeschichte sind keine Hochglanzbroschüren oder spärlich bekleidete Frauen auf teuren Messeständen nötig.

Besonders interessant

Das ist der SION von Sono Motors.(7) Vor kurzem in München vorgestellt, erinnerte die Präsentation an die Art und Weise von Elon Musk. Was das Konzept so interessant macht, sind die eingebauten Photovoltaic-Module. Sie haben richtig gelesen: In der Außenhaut des Fahrzeuges sind 7,5 m2 Solarzellen verbaut, die an sonnigen Tagen bis zu 30 km Reichweite zusätzlich liefern. Quasi das „perpetuum mobile“ unter den Fahrzeugen. Die Einfassung in Polycarbonat sorgt dafür, dass Kratzer und Parkdellen den Solarzellen nicht schaden.

Die Idee zu diesem E-Auto kam von ein paar Münchner Studenten, die ein Fahrzeug perfekt für die Stadt entwickeln wollten. Was in einer Münchner Hinterhof Garage begann und mit einer Crowd-Funding Kampagne an Fahrt aufnahm soll im kommenden Jahr als Erstserie in Produktion gehen. Das Spannende daran ist auch, dass das Betriebshandbuch als Open Source zur Verfügung gestellt werden soll. Damit haben auch freie Werkstätten die Möglichkeit am Fahrzeug zu arbeiten. Die Garantiezeit soll 2 Jahre betragen, für die Batterie werden 8 Jahre oder 100.000 km garantiert. Die Batterieleistung soll für echte 250 km reichen.

Der Kaufpreis soll 16.000 Euro zuzüglich der 35kWh-Batterie betragen. Der Batteriepreis wird derzeit mit 4.000 Euro angegeben. Die Betonung liegt dabei auf „derzeit“. Da die SION-Entwickler davon ausgehen, dass die Batteriepreise weiter sinken werden, wollen sie eventuelle Preissenkungen an die Kunden weitergeben und haben die Batterie nicht in den Fahrzeugpreis eingerechnet.

Das Auto als Tankstelle: Eine tolle Idee ist auch noch, dass das Fahrzeug auch bidirektional wieder Strom abgeben kann. Bis zu 2 kW Leistung können aus dem Auto abgerufen werden. In der Produktpräsentation wurde eindrucksvoll diese Möglichkeit präsentiert und ein Winkelschleifer auf der Bühne gestartet. Außerdem kann man auch 11 kW aus Batterie entnehmen um ein anderes Fahrzeug zu laden. Die Idee ist, dass man den überschüssigen Strom auch an andere verkaufen kann.

Passend zur Generation Y wird bei Sono Motors viel Werbung über YouTube Videos gemacht, diverse Blogger testen das Fahrzeug und berichten darüber. So werden dann auch wieder traditionelle Formate, wie Zeitungen, auf das Fahrzeug aufmerksam. Das folgende Video stellt das Fahrzeug sehr detailliert vor:

Veränderungen

Man sieht an diesen Beispielen, dass E-Fahrzeuge nicht nur aus den USA und Asien kommen, sondern auch spannende europäische Konzepte am Start sind. Neben den Antriebskonzepten ändern sich auch zunehmend die Werbekanäle und neue Spieler kommen auf den Markt, mit denen man bisher noch gar nicht gerechnet hat.

Haben Sie Fragen oder Kommentare? Ich freue mich auf Ihre Nachricht.

Beste Grüße,

Ihre Marlene Buchinger

Quellen und weiterführende Links:

  1. EU-weites Plus bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben
  2. Ramp Up und Preisinfo Tesla 3
  3. Zeit Artikel über Tesla 3
  4. Spiegel.de über die Veränderungen auf der IAA
  5. Neuer Nissan Leaf
  6. Webseite von e.Go
  7. Driven by the Sun – Sono Motors