Restart Thinking Auto-Nachrichten im Sommer 2019

Liebe Leserinnnen und Leser,

ich hoffe, Sie hatten eine schöne Sommerpause. Das Sommerloch neigt sich dem Ende zu und wir haben die interessantesten und skurrilsten Neuigkeiten aus der Auto-Welt für Sie zusammengestellt:

E-Auto-Rekord

Hansjörg Gemmingen – dieser Name ist in Tesla-Kreisen vielen ein Begriff. Falls nicht, der Deutsche ist ein E-Vielfahrer. Im Juli knackte Gemmingen die 900.000 km-Marke. Er steht damit auf der Bestenliste „Tesla High Mileage Leaderboard“ ganz oben. Mit seinem Tesla S ist er täglich auf Langstrecken unterwegs. Davor schaffte er schon mit dem Tesla Roadster „schlappe“ 620.000 km. Sie sehen, es funktioniert – man kann mit einem Elektroauto richtig weit fahren.(1)

Schnellladen

Die Autohersteller übertrumpfen sich derzeit mit den Werten für das zukünftig mögliche Schnellladen. In Europa werden 300-350 kW Ladeleistung angepeilt. Davon ist man aber noch weit entfernt, denn vereinzelt gibt es Stationen mit über 100 kW Ladeleistung, aber die Betonung liegt auf „vereinzelt“. Bei Tesla ist man in dieser Hinsicht mit dem Supercharger-Netzwerk verwöhnt. Dabei sind Ladegeschwindigkeiten über 100 kW meist Standard und 120 kW und mehr auch verfügbar sind.
Aufgrund der rasant wachsenden Zahl an Tesla Model 3-Fahrzeugen hat der amerikanische E-Autohersteller auch einen gewissen Druck, die Leistung der Ladestationen zu erhöhen. Mit einer schnelleren Ladekapazität können mehr Autos pro Tag geladen werden. Deshalb wurde in Las Vegas die erste V3-Ladestation mit 250 kW Gleichstrom in Betrieb genommen.(2)
Nutzerhinweis: Das Schnellladen ist auf weiten Strecken von Vorteil, im täglichen Gebrauch – aus unserer Erfahrung als E-Vielfahrer – ist es als eher untergeordnet anzusehen. Außer Sie heißen Hansjörg Gemmingen.

Anklage gegen Audi-Chef

Eine Nachricht fand ich in den letzten Wochen besonders spannend: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wurde des Betruges, der mittelbaren Falschbeurkundung und der strafbaren Werbung angeklagt.(3)
Ja, es ist nicht wirklich überraschend. Und es ist beruhigend, dass die Mühlen der Justiz mahlen. Die Anklage wurde durch die Staatsanwaltschaft München erhoben, da Herr Stadler von dem Betrug gewusst haben muss, weil bereits der VW-Skandal aufgeflogen ist. Ab diesem Zeitpunkt hat Stadler aber nichts im eigenen Haus getan und weiterhin Autos mit der Schummelsoftware verkauft.
Zu dem Thema empfehle ich Ihnen die spannende ARD-Dokumentation aus der ARD Mediathek. Dieser Film analysiert das System Audi und die dahinterliegenden Beweggründe.

Stuttgart senkt Geschwindigkeitslimit

Weil wir gerade bei der Schummelsoftware waren, passt eine weitere Nachricht: Durch nicht fachgerechte Dieselabgasreinigungen und zu viel Verkehr im Allgemeinen leiden die Bewohnerinnen und Bewohner vieler Städte unter den schlechten Luftwerten. Die Stadt Stuttgart versucht jetzt Abhilfe zu schaffen. Dazu soll ab 2020 die Höchstgeschwindigkeit in der gesamten Innenstadt auf 40 km/h herabgesenkt werden. Die Zonen mit 30 km/h sollen selbstverständlich bleiben.
Stuttgart hatte bereits Fahrverbote für Euro-5-Diesel auf bestimmten Straßen eingeführt. Diese Maßnahme führte dazu, dass die Fahrerinnen und Fahrer solche Fahrzeuge teilweise über andere Straßen auswichen. Mit der Geschwindigkeitsreduktion soll das unattraktiv werden. Außerdem sollen die Fahrverbotszonen für Euro-5-Diesel ausgeweitet und die Gratisparkplätze in der Innenstadt gestrichen werden.
Ich befürworte diese Maßnahme, denn sie erhöht die Sicherheit für alle, die nicht mit dem Auto unterwegs sind. Vielleicht werden so ein paar Leute mehr dazu bewogen auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Außerdem können durch eine reduzierte Geschwindigkeit die Luftschadstoffemissionen reduziert werden.(4)

Österreichisches E-Auto Gesetz

Dem entgegen steht ein Gesetz, das von der letzten österreichischen Regierung erlassen wurde und jetzt in Kraft getreten ist. Seit 1. Juli 2019 ist das Tempolimit von 100 km/h für E-Autos auf österreichischen Autobahnen mit Luftschutzbereichen aufgehoben worden.
Wie bereits in unserem Restart Thinking Blogbeitrag „E-Auto-Neuigkeiten im Jahr“ 2019 beschrieben, ist diese Maßnahme nicht sinnvoll. Wenn einzelne Fahrzeuge schneller fahren dürfen, führt das nur zu einer Zunahme von Staueffekten durch höhere Geschwindigkeitsdifferenzen und erhöht zudem die Unfallgefahr. Und auch wenn ein Elektroauto in seiner Ökobilanz jedem Verbrenner überlegen ist, so gibt es dennoch keinen Grund Energie zu verschwenden.
Keine Sorge, auch dieser Wahnsinn geht wieder vorbei. Ähnlich wie die Autobahnmaut in Deutschland wird dieses Gesetz vom Europäischen Gerichtshof auch kassiert werden, denn die Ausnahme gilt nur für österreichische E-Fahrzeuge mit grünem Kennzeichen. Auf die Idee, dass andere Nationen keine grünen Nummernschilder für E-Autos haben und deren Fahrerinnen und Fahrer somit diskriminiert werden, hätte man kommen können.

Deutsches Autobahnmaut-Fiasko

Apropos Deutsche Autobahnmaut: Die hat den deutschen Steuerzahlern mittlerweile über 53 Million Euro gekostet (5), ohne dass sie überhaupt gestartet ist.
Fies finde ich Herrn Scheuers Argumentation, dass Österreich die Maut mit einer Klage verhindert hat. Ja, Österreich hat geklagt. Nein, der Grund der Ablehnung durch den europäischen Gerichtshof war nicht Österreich, sondern dass die Auslegung von vornherein falsch gemacht wurde, da ausländische Lenkerinnen und Lenker benachteiligt werden sollten. Daher wurde der Gesetzesentwurf vom europäischen Gerichtshof für rechtswidrig erklärt.
Auf die Idee hätte man aber schon früher kommen können. Stattdessen hat Herr Scheuer versucht Wahlwerbung am Stammtisch zu machen. Der populistische Quatsch kostet den deutschen Steuerzahler wahrscheinlich noch eine halbe Milliarde (!) Euro. Die Firmen Autoticket GmbH, Kapsch TrafficCom und CTS Eventim, die bereits einen Auftrag für das Mautsystem erhalten haben, fordern jetzt selbstverständlich Schadenersatz.(6) 
Wie sieht es hier mit der persönlichen Verantwortung aus? Herr Scheuer wird den von ihm verursachten Schaden nicht aus eigener Tasche ausgleichen. Ein Rücktritt wäre daher definitiv gerechtfertigt. Von den 500 Millionen Euro könnte man viel für Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Altenheime tun, anstatt wieder Millionen in das Thema Auto zu stecken.

Wir werden berichten, was sich in dieser Causa und bei den anderen Themen tut und wünschen Ihnen noch schöne Sommertage!

Beste Grüße,
Ihre Marlene Buchinger

Quellen:

  1. Hansjörg Gemmingen knackt Tesla-Rekord mit 900.000 km
  2. Tesla eröffnet in Las Vegas 250 kW-Schnellladestation
  3. Audi-Chef Stadler des Betrugs angeklagt
  4. Ab 2020 40 km/h Höchstgeschwindigkeit in Stuttgarts Innenstadt
  5. Deutsche Maut kostete bereits über 50 Million Euro
  6. Deutsche Autobahnmaut könnte 500 Millionen Euro Schadenersatz kosten
Auto-Nachrichten Sommer 2019

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