Persönliche Verantwortung - Unbequem, aber nötig

Mit dem folgenden Beitrag über die persönliche Verantwortung werde ich keine Sympathiewerte gewinnen, aber das Thema muss besprochen werden.

Der neue Bericht des UN Weltklimarates (IPCC) von Anfang Oktober 2018 ist eine Offenbarung. Laut IPCC wird mit hoher Sicherheit zwischen 2030 und 2052 der Temperaturanstieg von 1,5 Grad im Vergleich zur Beginn des industriellen Alters erreicht. Wir sind derzeit nicht einmal in der Lage das 2,0 Grad Ziel zu erreichen, sondern steuert auf 2,6 bis 4,0 Grad mehr zu.(1) Welche Dimensionen das haben kann, durften wir diesen Sommer bereits erleben.

Doch die Nachricht über die Klimakrise geht in der Flut von politischen Hiobsbotschaften irgendwie unter, erzeugt maximal Achselzucken und anschließend geht man zum Tagesgeschäft über. Ich frage mich: Was muss noch passieren, damit ein Umdenken stattfindet?

Auf die Frage fallen mir eine Vielzahl von Antworten ein:

  • Weitere Erwärmung
  • Flutkatastrophen
  • Abschmelzen der Polkappen gefolgt vom Anstieg der Meeresspiegel
  • Felsstürze und Muren in alpinen Gebieten
  • Nahrungsmittelverknappung und dementsprechende Verteuerung

Ich weiß, Sie kennen diese Argumente.

Aber warum passiert nichts?

Diese Frage beschäftigt mich schon länger. Meine Antwort lautet:

Wir alle ändern unser Verhalten nicht oder nicht ausreichend, da wir die Auswirkungen unseres persönlichen Tuns nicht unmittelbar sehen.

Ein Beispiel: Jemand stellt seinen Müll direkt vor Ihrer Tür ab. Dann beschweren Sie sich zu Recht. Wie verhält es sich aber, wenn Sie von Frankfurt nach Dubai fliegen? Dabei entstehen 1450 kg CO2.(2) Sie bekommen am Zielort kein Paket mit knapp 1,5 Tonnen CO2 in die Hand gedrückt, um das Sie sich kümmern müssen. Nein, Ihr Paket wird in der Atmosphäre ausgeleert und die restlichen 7 Milliarden Menschen und jede Menge weiterer unschuldiger Lebewesen auf diesem Planeten müssen sich auch vor ihrer Tür darum kümmern. Nur 3 % der Menschen flog im letzten Jahr und beeinflusst die Atmosphäre der anderen 97 %.(3)

Unsichtbarkeit als Problem

Durch diese „Unsichtbarkeit“ ist das Problembewusstsein scheinbar nicht da oder das Problem wird in Kauf genommen. Noch schlimmer verhält es sich, wenn sich die Emittenten auf die persönliche Freiheit berufen, da man sich ja etwas (Flugreise, übermotorisiertes Fahrzeug, ausufernder Lebensstil) leisten könne und wolle. Eine solche Einstellung kann man nur mit Ignoranz und Egomanie erklären.

Unser Fußabdruck liegt bei durchschnittlich 7,2 Tonnen CO2 in Österreich und 8,93 Tonnen CO2 in Deutschland (Basis Jahr 2015).(4) Somit sind wir noch weit weg von einem klimaverträglichen Budget mit maximal 2,3 Tonnen CO2 pro Jahr.(2)

Ich ahne es, jetzt kommt an dieser Stelle wahrscheinlich eines dieser Totschlagargumente: „Wir alle setzen sowieso zuviel CO2 frei, da ist das bisschen mehr auch schon egal.“ oder „Andere, wie in den USA oder China, sind noch viel schlimmer.“

Eigene Verantwortung

Ja, das mag sein, es entbindet Sie und mich nicht von unserer EIGENEN Verantwortung. Ich will es einfach nicht hinnehmen, dass man die Schuld von sich weist und es sich in scheinbarer Unwissenheit bequem macht. Also was kann man tun? Auch wenn Sie die folgenden Punkte schon kennen, kann es nicht schaden das eigene Verhalten regelmäßig diesbezüglich auf den Prüfstand zu stellen.

  • Bevor Sie das nächste Mal aus Bequemlichkeit ins Auto steigen, gehen Sie zu Fuß oder nehmen Sie das Fahrrad. In unserem Blogbeitrag Alltagsdistanzen können Sie mehr zu diesem Thema erfahren.
  • Über alternative Antriebe zu Benzin und Diesel finden Sie in diesem Blog einiges.
  • Nehmen Sie jemanden mit und gründen Sie eine Fahrgemeinschaft. Fragen Sie Ihre Nachbarn, ob Sie ihnen etwas vom Supermarkt oder Baumarkt mitbringen können. Das stärkt das nachbarschaftliche Verhältnis und entlastet die Umwelt.
  • Muss es unbedingt eine Flugreise in die Ferne sein? Wie wäre es mit einer Bahnfahrt zu einer Destination in Mitteleuropa?
  • Wie sieht es mit dem Konsum aus? Wie viele Kleidungsstücke hängen ungetragen in Ihrem Kleiderschrank? Muss man sein Mobiltelefon alle ein bis zwei Jahre gegen ein neueres Modell austauschen? Fragen Sie sich beim nächsten Mal, bevor Sie etwas kaufen, ob Sie das Teil tatsächlich brauchen und auch nutzen.
  • Ist es notwendig Fleisch- und Milchprodukte tatsächlich in diesem Ausmaß zu essen? Muss mein Obst und Gemüse um die halbe Welt reisen? Woher beziehen Sie diese Produkte? Abgepackt in Plastik beim Lebensmittelhandel, vom Metzger in der Nähe oder direkt vom Bauern?
  • Haben Sie einen Ökostrom Tarif? Wenn nicht, wechseln Sie Ihren Stromanbieter. Das Ganze dauert 15 Minuten.
  • Werden Sie aktiv! Falls Sie über die deutsche Autoindustrie verärgert sind, dann schreiben Sie Briefe an die zuständigen Politiker und die Vorstände der Autofirmen. Wir haben am Ende dieses Blogs die Kontaktadressen der deutschen Autovorstände für Sie zusammengestellt.

Jede Aktion zählt, denn Ihr und mein Konsumverhalten hat Auswirkungen!

Es geht nicht um Alibi-Green Washing, sondern um nachhaltige Veränderung, auch wenn das Wort „nachhaltig“ abgedroschen ist. Mir ist schon klar, dass ein vollkommener CO2 neutraler Lebensstil in Europa schwer umzusetzen ist, aber wir müssen auf dieses Ziel zuarbeiten.

Falls wir damit scheitern, werden wir unsere Bequemlichkeit selbst zu spüren bekommen, sowie den nachfolgenden Generationen aufbürden und als egoistisch und blöd in die Geschichte eingehen.

Wenn Sie sich das nächste Mal vor einer der oben genannten Entscheidungen stehen und überlegen, ob es nicht bequemer oder einfacher wäre nichts oder alles gleich wie immer zu tun, dann würde ich mich freuen, wenn Sie sich Folgendes in Erinnerung rufen:

Je mehr Leute beim Seilziehen mitmachen, desto weniger zieht jeder Einzelne, da er oder sie sich auf den anderen verlässt.

Ausreden gelten nicht!

Kurzum: Sie und ich müssen ständig unser Handeln hinterfragen, Verantwortung übernehmen und uns ständig verbessern, auch wenn das mühsam ist.

In diesem Sinne, packen wir es an. Ich freue mich auf Ihre Vorschläge, was man noch alles im Alltag umsetzen kann und stehe bei Fragen wie immer gerne zur Verfügung.

Beste Grüße,
Ihre Marlene Buchinger

Quellen:

  1. Spiegel.de über IPCC-Weltklimabericht
  2. Atmosfair über das persönliche Klimabudget
  3. DW über das internationale Flugverhalten
  4. Statista über CO2 Emissionen nach Ländern

Kontaktadressen deutsche Autovorstände:

Stand Ende Oktober 2018

AUDI AG
Auto-Union-Straße 1
85045 Ingolstadt
Deutschland

Abraham Schot
Bereich Vertrieb und Marketing

Wendelin Göbel
Personal und Organisation und Arbeitsdirektor

Peter Kössler
Produktion und Logistik

Dr. Bernd Martens
Beschaffung und IT

Dr.-Ing. Peter Mertens
Technische Entwicklung

Alexander Seitz
Compliance und Integrität

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Volkswagen AG
Berliner Ring 2
38440 Wolfsburg
Deutschland

Dr. Herbert Diess
Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

Oliver Blume
Vorstandsvorsitzender der Porsche AG

Prof. Dr. rer. pol. Dr.-Ing. E. h. Jochem Heizmann
Geschäftsbereich ‚China‘

Gunnar Kilian
Geschäftsbereich ‚Personal und Organisation‘

Andreas Renschler
Geschäftsbereich ‚Nutzfahrzeuge‘

Dr. Stefan Sommer
Geschäftsbereich ‚Komponente und Beschaffung‘

Hiltrud Dorothea Werner
Geschäftsbereich ‚Integrität und Recht‘

Frank Witter
Geschäftsbereich ‚Finanzen und IT‘

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Daimler AG
Mercedesstraße 137
70327 Stuttgart
Deutschland

Dr.-Ing. Dieter Zetsche
Vorsitzender des Vorstands Daimler AG
Leiter Mercedes-Benz Cars

Renata Jungo Brüngger
Integrität und Recht

Ola Källenius
Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung

Wilfried Porth
Personal und Arbeitsdirektor

Britta Seeger
Mercedes-Benz Cars Vertrieb

Bodo Uebber
Finanzen & Controlling/Daimler Financial Services

Hubertus Troska
Greater China

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Bayerische Motoren Werke AG
Petuelring 130
80788 München
Deutschland

Harald Krüger
Vorsitzender des Vorstandes

Milagros Caiña Carreiro-Andree
Personal- und Sozialwesen

Klaus Fröhlich
Entwicklung

Pieter Nota
Vertrieb

Dr. Nicolas Peter
Finanzen

Peter Schwarzenbauer
MINI, Rolls-Royce, BMW Motorrad, Kundenerlebnis
und Digital Business Innovation BMW Group

Dr.-Ing. Andreas Wendt
Einkauf und Lieferantennetzwerk

Oliver Zipse
Produktion

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