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Trends im Automobilsektor

Nach dem letzten Beitrag über den Hochmut der deutschen Autolobby berichte ich dieses Mal über ein komplettes Gegenteil: Die mobilen Trends, die vor allem im fernen Osten entstehen und daher bei uns nicht so präsent sind.

 

Elektrische Trends

In den letzten Wochen wurden u.a. zwei Studien mit Zahlen rund um das Thema Elektromobilität veröffentlicht. Ich beziehe mich auf die Erhebungen des ZSW (Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg) (1) und auf den EVI (Electric Vehicle Index) von McKinsey (2).

Laut ZSW ist der Bestand an Elektroautos bis Ende des Jahres 2017 weltweit auf 3,2 Millionen gestiegen. Im Reich der Mitte sind davon 1,2 Millionen unterwegs, gefolgt von den USA mit 750.000 und Japan mit 200.000 Einheiten. Auf Platz 4 liegt Norwegen mit der unglaublichen Zahl von 187.270 E-Fahrzeugen. Damit ist deren Bestand doppelt so hoch wie der von Deutschland (93.000 Fahrzeuge) – nur mit dem Unterschied, dass Norwegen etwas mehr als 5 Millionen Einwohner (3) hat. (1)

 

Wer waren die größten Produzenten?

Die chinesischen Hersteller BYD und SAIC konnten die meisten Neuzulassungen für sich verbuchen. Der erfolgreichste westliche Hersteller war wie auch im Vorjahr Tesla mit 86.700 Neuzulassungen, trotz der Verzögerungen beim Modell 3. BMW hat es auf Platz 4 geschafft, gefolgt von VW auf Platz 5.(1)

 

Wie sahen die Zahlen im Detail aus?

Laut EVI wurde erstmals im Jahr 2017 die Millionenmarke bei den jährlichen Anmeldungen überschritten. China sicherte sich unangefochten den Platz 1 mit über 600.000 verkauften Einheiten und einem Plus von 72 % zum Vorjahr. Da es in China mittlerweile knapp 100 verschiedene E-Auto-Modelle gibt, ist der Zuwachs nicht verwunderlich. Auf Platz 2 folgte Europa mit 306.000 neuen E-Fahrzeugen (+39 %) und die USA (200.000 E-Autos, +27 %). (2)

Man muss hier aber erwähnen, dass beide Studien auch PlugIn-Hybride und Range Extender berücksichtigen. Unter Range Extender versteht man meistens Verbrennungsmotoren, die batteriebetriebene Fahrzeuge unterstützen. Beispielsweise schafft der i8 von BMW elektrisch betrieben circa 40 km, dank Range Extender geht es dann noch weiter. Elektromotoren, die mit einem Stecker am Stromnetz geladen werden können und den Verbrennungsmotor unterstützen, nennt man PlugIn-Hybride.

Sicherlich sind diese beiden Konzepte ein Schritt in die richtige Richtung. Aber überdimensionierte SUVs mit einem E-Motor zusätzlich auszustatten, hat wenig mit Innovation zu tun.

In Europa war jedes zweite der neu zugelassenen E-Autos ein Plugin-Hybrid, daher ist die Euphorie über die Zuwachszahlen mit Vorsicht zu genießen. In Deutschland wurden 58.000 neue E-Autos zugelassen, damit hat sich die Zahl der Neuanmeldungen im Vergleich zu 2016 verdoppelt, sie liegt aber noch immer weit hinter dem ausgerufenen Ziel von 1 Million E-Fahrzeugen im Jahr 2020.

 

Ländervergleich

Im Ländervergleich der wichtigsten E-Automärkte bezogen auf die Einwohner ergibt sich folgendes, durchaus interessante, Bild: (2)

  1. Norwegen
  2. China
  3. Schweiz
  4. Schweden
  5. Niederlande
  6. USA
  7. Frankreich
  8. UK
  9. Österreich
  10. Belgien
  11. Südkorea
  12. Deutschland
  13. Japan
  14. Italien
  15. Indien

 

Bei den Hersteller-Nationen liegt China klar voran, danach folgen Japan, Deutschland, USA, dahinter Südkorea, Frankreich und Indien.(2)

Ich frage mich jetzt, ob der derzeit hochgelobte Jaguar I-Pace unter „Indien“ verbucht wird? Der Traditonshersteller wurde von Tata Motors übernommen, daher ist die Ausrichtung auf Elektromobilität nicht weiter verwunderlich. Der neue „Cross-Over-SUV“ wird von Magna-Steyr in Österreich gebaut und kann ab März 2018 bereits bestellt werden. Der als „Tesla-Hunter“ titulierte Wagen glänzt ähnlich, wie das amerikanische Vorbild, mit hoher Beschleunigung und Komfort. Der Preis soll mit circa 80.000 Euro nicht ganz so hoch ausfallen. Die Garantien auf Batterie und Antriebsstrang sind vergleichbar, nur die Ladeinfrastruktur fehlt, was sicherlich eine etwas größere Einstiegshürde bedeutet.

Hier finden Sie ein schönes Video über die Entwicklung des I Pace:


 

Apropos I-Pace: Die Google Schwesterfirma Waywo (die mit dem Ei-Auto) kündigte gestern an, 20.000 Stück der I-Pace in den Betrieb für selbstfahrende Taxis übernehmen zu wollen. Erste Testfahrzeuge sollen im heurigen Jahr bereits in den USA fahren. (4)

 

Trendkurve

Sicherlich ist das oben vorgestellte Fahrzeug ein schöner Wagen, aber nur für einen kleinen Personenkreis oder im Dauerbetrieb wie bei Waymo erschwinglich. Der Durchbruch in der Massenmobilität wird über kleinere und leistbare Fahrzeuge kommen. Ich persönlich freue mich daher auf die Auslieferung des neuen Nissan Leaf. Ab März 2018 kommt die Neuauflage des meistverkauften Elektrofahrzeuges der Welt in den Handel. Mit einem Preis von rund 34.000 Euro ist dieses E-Auto zwar noch immer kein Schnäppchen, er liegt aber im Bereich eines normalen Fahrzeugs. Außerdem finden Sie mit dieser Fahrzeuggröße auch noch leicht einen Parkplatz.

 

Was meinen Sie? Wie geht es mit der Elektromobilität weiter? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

 

Beste Grüße,

Ihre Marlene Buchinger

 

Quellen

  1. Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg
  2. EVI (Electric Vehicle Index) von McKinsey
  3. Wikipedia Eintrag Norwegen
  4. Waymo will 20.000 Jaguar I-Pace zu selbstfahrenden Taxis machen